Chronik

1525

... richtet der Arzt und Universitätsprofessor Heinrich Stromer von Auerbach (1482-1542) im Weinkeller seines Hauses einen Ausschank für Studenten ein, weil "Wein ein vorzügliches Prophylaktikum gegen vielerlei Gebrechen ist, wenn man ihn denn richtig anwendet". Die städtischen Steuerbücher belegen, dass er seit dieser Zeit eine so große Menge an Wein einlagerte, dass sie nicht nur dem Eigenbedarf diente, sondern auch zum Verkauf und Ausschank bestimmt war. Somit darf 1525 als das Gründungsjahr von Auerbachs Keller gelten.

1528

... lässt Stromer das etwa 200 Jahre alte Haus, das er durch Heirat mit einer Leipzigerin erworben hatte, abreißen, um ein modernes Wohn- und Messehaus zu errichten. Dabei erhält der Keller die Dimension, die er heute noch hat: Auf drei Etagen befinden sich die sog. Hexenküche, der Fasskeller, das Lutherstübchen und der Goethe-Keller.

1531

... ist das Hauptgebäude von "Auerbachs Hof" an der Grimmaischen Gasse als modernes Messehaus fertig gestellt. Das damals an der Fassade angebrachte Hauszeichen, ein Steinrelief des Weingottes Bacchus, ist heute noch im Fasskeller zu bewundern. In dem erneuerten Weinkeller schnellt der Umsatz in die Höhe, so dass Heinrich Stromer 1534 fast ein Drittel der gesamten Weinsteuer der Stadt bezahlt.

1589

... wird im dritten Neudruck des Volksbuches "Historia von Dr. Johan Fausten" zum ersten Mal die Geschichte vom Fassritt Fausts aus einem Leipziger Weinkeller mitgeteilt.

 

1625

... lässt Johann Vetzer, der Urenkel Heinrich Stromers, die Geschichte vom Fassritt und den sich anschließenden fröhlichen Schlampamp der Studenten von dem Maler Andreas Bretschneider auf zwei Bildern darstellen. Seither ist die Geschichte fest mit der Lokalität "Auerbachs Keller" verbunden.

1631

... im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges werden der Weinkeller und auch die Bilder stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass sie 1636, wie man es auf einem der Bilder lesen kann, renoviert werden mussten. Die beiden Zwickelbilder sind, so wie sie noch heute zu betrachten sind, die ältesten originalen Einrichtungsgegenstände des Kellers.

1732

... wird der Keller von dem Gastwirt Johann Jacob Key übernommen und bis 1750, dem Todesjahr von Bach, geführt. Dass Bach den Keller besucht hat, ist zwar nicht nachgewiesen, aber sehr wahrscheinlich, schließlich führte ihn sein Weg von der Thomas- zur Nikolai- und Johanniskriche 27 Jahre lang mehrmals täglich hier vorüber.

 

1765

... beginnt Johann Wolfgang Goethe sein Studium in Leipzig. Sein Aufenthalt in "Auerbachs Keller" und besonders die beiden alten Faust-Bilder inspirieren ihn zu seiner Faustdichtung.

 

1780

... pachtet Franciscus Venoni den Keller und macht ihn als einen der ersten "Italienerkeller" von Leipzig bekannt.

1799

... übernimmt sein Landsmann Pietro di Mainoni die Bewirtschaftung. Sein Verdienst ist es, die Tradition des Austern-Essens hier begründet zu haben.

 

1833

... ist der Komponist Albert Lortzing häufig zu Gast im Keller und arbeitet mit seinen Freunden an der Oper "Zar und  Zimmermann", die 1837 in Leipzig uraufgeführt wird.

1850

... wird der Keller durch den Gastwirt Schultze sorgfältig restauriert und am 12. September wiedereröffnet. Der bisher nur während der Messen als Gastraum genutzte Fasskeller wird jetzt für den täglichen Gastbetrieb freigegeben.

 

1855

... wird durch den Wirt Heinrich Schulze die erste zuverlässige Chronik von Auerbachs Keller mit dem Titel "Faust in Leipzig" herausgegeben. Wegen der zahlreichen ausländischen Gäste gibt es auch eine englische Version des Buches.

 

1885

... besucht der japanische Militärarzt Mori Ôgai (1862-1922) während seines Studienaufenthaltes in Deutschland am 27. Dezember Auerbachs Keller. Hier erhält er die Anregung, Goethes "Faust" ins Japanische zu übersetzen. In sein Tagebuch schrieb er, dass er  zum Spaß eingewilligt habe den "Faust" ins Japanische zu übersetzen. Seine bis heute gültige Übersetzung ist 1913 gedruckt worden.

1902

... veröffentlicht Gustav Wustmann, Direktor der Leipziger Stadtbibliothek und des Stadtarchivs, die bis heute einzige Biografie über Heinrich Stromers von Auerbach.

 

1911

... kauft der Kofferfabrikant Anton Mädler Auerbachs Hof inklusive Keller auf Abbruch. Nach weltweiten Protesten entscheidet sich Mädler dafür, den Keller nicht nur zu erhalten, sondern auch zu erweitern.

 

1913

... wird am 22. Februar der vergrößerte Keller feierlich eröffnet. Hinzugekommen sind der Große Keller und der Weinsalon Alt-Leipzig. Am 24. September werden an der doppelläufigen Treppe in der Mädler-Passage die Bronzeplastiken von Mathieu Molitor aufgestellt. Sie zeigen Faust und Mephistopheles auf der einen Seite und auf der anderen die verzauberten Studenten. Seither ist es guter Brauch, Faust den Schuh mit der Hand zu polieren, um damit den Anspruch zu erwerben, wieder einmal zurück nach Leipzig kommen zu können.

 

1927

... übernimmt die Brauerei Dortmunder Union als Pächter Auerbachs Keller. Damit wird das Wein-Monopol im Keller beendet. Am Eingang zur Mädler-Passage wird der Schriftzug "Auerbachs Keller" als Leipzigs erste Neon-Leuchtreklame angebracht.

 

1930

... wird zum 400jährigen Bestehen von Auerbachs Hof von dem Schriftsteller und Maler Paul Daehne eine Festschrift mit der ausführlichen Geschichte des Hauses verfasst.

 

1945

... dient der Keller nach Kriegsende zur Lebensmittelversorgung von Flüchtlingen und Ausgebombten, ehe ihn das sowjetische Reisebüro Intourist übernimmt. Während der Messen ist der Keller als Messegaststätte nur für westliche Besucher geöffnet, die hier auch in Dollar zahlen müssen.

 

1949

... übernimmt die staatliche Handelsorganisation (HO) der DDR die Bewirtschaftung des Kellers.

 

1964

... wird zur 800-Jahr-Feier Leipzigs Auerbachs Keller modernisiert. Um ihn aufzuhellen werden einige Bilder teilweise mit weißer Farbe überstrichen und die dekorative Bemalung auf den Gurtbögen des Großen Kellers entfernt. Die Platzkapazität wird von 700 Plätzen auf 450 reduziert.

 

 

1989

... eröffnet am 11. März die Mephisto Bar, der "oberirdische Teil" von Auerbachs Keller in der Mädler-Passage.

 

1990

... bewirtschaftet nach der Privatisierung der HO ein Wirt aus Hannover die historische Gaststätte und scheitert mit seinem Konzept, "Ost-Niveau" zu "West-Preisen" verkaufen zu wollen.

1995

... muss Auerbachs Keller am "schwarzen Donnerstag",  dem 28. September, Konkurs anmelden und schließen. Der Immobilienmakler Schneider hatte die Mädler-Passage mit  Auerbachs Keller in sein unüberschaubares Firmenimperium integriert. Als im April 1994 die erschwindelten Kredite diverser Banken platzen, ist die Pleite unabwendbar. Die amerikanische Zeitung "The New York Times" kommentiert den Vorgang: "Das Restaurant überlebte fast 500 Jahre mit Kriegen, Pest und Diktaturen, aber die Ankunft des Kapitalismus im Osten Deutschlands war zuviel."

 

1996

... eröffnete der erfahrene Gastwirt Ulrich Reinhardt am 12. April, am selben Tag wie die Neue Messe Leipzig, wieder Auerbachs Keller für die Leipziger und ihre Gäste. Er führt die Gaststätte als Familienbetrieb und bewahrt energisch ihre historische Substanz. So kann er das verlorene Renommee und die internationale Wertschätzung von Auerbachs Keller zurückgewinnen.

 

2000

... feiert Leipzig mit einem dreitägigen "Schlampamp" im Zeltbau "Mephistodrom" auf dem Marktplatz das 475jährige Jubiläum des Weinausschanks in Auerbachs Keller. Auf spektakuläre Art und Weise wird bei der Aktion "Fassritt, der zweite" ein neues, kunstvoll gearbeitetes Fass zurück in den Keller gezaubert. Ebenfalls aus diesem besonderen Anlass hat der Maler Volker Pohlenz ein Bild zur Vervollständigung der "Faust-Galerie" im Großen Keller gemalt. Der Bildhauer Bernd Göbel schuf die beiden Bronzeplastiken "Faust mit Gretchen" und "Mephisto mit Frau Marthe" für das Vestibül.

 

2006

... übernehmen am 15. April Christine und Bernhard Rothenberger aus Münster nach dem Ende des Pachtvertrags von Ulrich Reinhardts als neue Pächter die historische Gaststätte. Sie firmieren als Auerbachs Keller Rothenberger Betriebs GmbH.

 

2007

... beginnt die Zusammenarbeit mit dem Theater im Gewölbe aus Weimar. Erstmals wird im Januar das Schauspiel "Faust I zu zweit" inszeniert. Im Sommer folgt anläßlich des 175. Todestages von Johann Wolfgang von Goethe die zweite Aufführung mit dem Titel "Goethe live - Das große Interview".

 

2008

... im Februar wird das allgemeine Rauchverbot für gastronomische Einrichtungen in Sachsen eingeführt, so auch in Auerbachs Keller. Im Vestibül vor dem Großen Keller wird deshalb eine Raucherlounge mit Ledersesseln und Infarotstrahlern eingerichtet. Vier Bildtafeln informieren die Raucher zudem über Geschichte und Bedeutung der Gaststätte. Im Großen Keller rückt ein neues Beleuchtungssystem die wertvollen alten Bilder und bemalten Gurtbögen ins rechte Licht. Im August erscheint erstmals der "Kellerkurier", die Hauszeitschrift von Auerbachs Keller.

 

2009

... im Januar wird mit grandiosem Erfolg "Faust - Die Rockoper" in Auerbachs Keller aufgeführt. Das klassische Meisterwerk gab die Vorlage für eine moderne musikalische Bearbeitung, die sich bewusst an Goethes Textvorlage hält. Seit Februar fließt wieder Wein aus einem "Hölzernen Tisch" und versetzt die Gäste in die weltberühmte Keller-Szene aus Goethes "Faust". Zur Erinnerung an den japanischen Faust-Übersetzer Mori Ôgai wird im Großen Keller ein neues Gemälde von Volker Pohlenz angebracht.

2010

... Anfang des Jahres gibt es eine Neuauflage von „Faust - Die Rockoper", diesmal mit insgesamt fünf ausverkauften Vorstellungen. Im Februar werden 150.000 € in eine neue Spülmaschine und in die Parketterneuerung im Restaurant Großer Keller investiert. 650 Quadratmeter Parkettboden werden abgeschliffen und versiegelt, insgesamt 100 Tische und 550 Stühle bewegt. Im Juli gastiert zum sechsten Mal das Theater im Gewölbe aus Weimar in Auerbachs Keller und begeistert die Zuschauer mit dem Stück „Lotte in Weimar".

2011

... gleich 17 Mitarbeiter feiern 2011 ihr 10-, 15-, 20- und sogar 40-jähriges Dienstjubiläum. „Faust - Die Rockoper" wird zur festen Veranstaltung im Januar, mit sieben Vorstellungen begeistern die Darsteller in diesem Jahr das Publikum. Für die rund 4.500 asiatischen Gäste pro Jahr geht im Juli die chinesische und japanische Übersetzung der Homepage des Auerbachs Keller Leipzig online. Am 10. November 2011 wird das neugestaltete Lutherzimmer feierlich eröffnet. Hingucker des schönen Raumes mit der gewölbten Decke ist ein neues Gemälde von Volker Pohlenz, das anlässlich der Eröffnung enthüllt wurde. Es zeigt „Das geheime Treffen", eine historisch nicht überlieferte, aber sehr wahrscheinliche Zusammenkunft zwischen Martin Luther  und Dr. Heinrich Stromer am Abend des 3. Dezember 1521.

2012

... Der Arzt Professor Mori Chisato von der Chiba University in Japan besuchte im Verlauf seines Deutschlandaufenthaltes auch Auerbachs Keller. Der Urenkel des Arztes, Dichters und Faust-Übersetzers Mori Ôgai recherchierte an authentischen Orten für eine Biografie über seinen berühmten Vorfahren. Zur gleichen Zeit drehte ein TV-Team der japanischen TV-Gesellschaft NHK in Auerbachs Keller. Der Beitrag richtet sich an Zuschauer in Japan, die dort zur Vorbereitung auf einen Besuch in Deutschland schon die deutsche Sprache erlernen.

2013

... Als erstes Restaurant ist Auerbachs Keller als Mitglied in die Lutherweg-Gesellschaft aufgenommen worden. Die offizielle Mitgliedsurkunde bekam Pächter Bernhard Rothenberger von Kirchenrat Jürgen A. Dittrich, Präsident der Lutherweg-Gesellschaft, überreicht. Der Lutherweg ist ein Gemeinschaftsprojekt von Kirchen, Tourismusverbänden, Kommunen und weiteren Trägern, das sich an Pilger, Wanderer und Besucher richtet, die sich für die Geschichte Martin Luthers und der Reformation interessieren.

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